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Mental Health

Borderline Diagnose & Borderline erkennen

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Vor kurzem haben ich die Diagnose bekommen. Ich habe eine Borderline Persönlichkeitsstörung. Rückblickend erklärt sich mit dieser Diagnose sehr, sehr vieles in meinen 22 Lebensjahren. Ich habe es schon im vorherein stark vermutet und war auch eigentlich nicht überrascht, als mir die Diagnose von einer Psychologin bestätigt wurde. Doch das noch mal ins Gesicht gesagt zu bekommen, von jemandem, der auch wirklich Ahnung hat, von jemandem Professionellem … Das war schon ein harter Schlag.

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Ich hasse dich, verlass mich nicht.

Für Borderliner ist die Welt oft nur Schwarz-Weiß.

Sie leben zwischen Extremen.

Photo by Jovydas Dobilas on Pexels.com

Was genau versteht man unter Borderline?

Die Emotional-Instabile-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Krankheit, die immer häufiger diagnostiziert wird. Betroffene empfinden Emotionen um einiges stärker als nicht Betroffene. Durch die Erkrankung leiden Borderliner unter sehr intensiven, sehr starken Emotionsschwankungen, die auch in kürzester Zeit erfolgen können. Dadurch fühlen sie sich wie auf einer Emotionalen Achterbahnfahrt, aus der sie nicht einfach aussteigen können. Das kostet natürlich unmengen an Energie und die Betroffenen stehen beinahe immer unter enormer Anspannung. Dieser innere Druck, diese innere Unruhe führt zu impulsiven und oftmals auch selbstverletzendem Verhalten.

Ein ebenfalls charakteristisch für die Störung sind instabile zwischenmenschliche Beziehungen, impulsives Verhalten und ein instabiles Selbstbild.

Doch das war nicht alles. Die Persönlichkeitsstörung hat so viele Facetten und kann von Patient zu Patient variieren. Es gibt also nicht dieses eine Klischee. Die Störung wird anhand von 9 Kriterien aus dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation diagnostiziert. Von diesen 9 Kriterien müssen jedoch nur mindestens 5 zutreffen, um eine solche Diagnose zu bekommen. Das heißt, dass es unheimlich viele Kombinationsmöglichkeiten der Symptome gibt, die ein Borderliner haben kann.

Aber wie erkennt man die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Ich könnte noch ausführlichere Beschreibungen für diese Störung schreiben, doch das könnte den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Ich möchte also als nächstes einfach auf die 9 charakteristischen Punkte der Störung eingehen, auf deren Basis die Diagnose gestellt wird. Ich habe die Folgenden Punkte von der Website www.borderline-netzwerk.info kopiert.

1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassen werden zu vermeiden

Betroffene haben große Angst davor, von wichtigen Menschen verlassen zu werde. Diese Befürchtung kann der Realität entsprechen, aber auch eingebildet sein. Insbesondere wenn Betroffene alleine sind, kann es vorkommen, dass sie glauben, gar nicht weiter existieren zu können oder die innere Verbindung bricht vollständige ab.

2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

Viele Betroffene haben eine Art schwarz-weiß Denken, was beinhaltet, dass sie Menschen extrem Idealisieren, aber sehr schnell auch ganz stark abwerten können. Es ist schwer für Betroffene zu erkennen, dass das Gegenüber weder dem Ideal entspricht, noch durch und durch schlecht ist, sondern ein Mensch mit positiven und negativen Eigenschaften.

3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung

Das Selbstbild der Betroffenen ist oftmals sehr wechselhaft. Zudem fehlt ihnen ein konstantes oder gar überhaupt ein Identitätsgefühl.

4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle“)

Die Bereiche können ganz individuell unterschiedlich sein und reichen von übermäßigen Geldausgeben bis hin zu hoch Risikoverhalten wie zu schnelles Fahren auf der Autobahn u.ä

5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.

Mit der oftmals vorhanden chronischen Suizidalität von Borderline Betroffenen ist es vor allem für Familienangehörigen und Therapeuten schwer umzugehen. Selbstverletzungen beginnen meist aus dem Motiv heraus, Druck abzubauen, sich bestrafen zu wollen oder als impulsive Handlungen. Irgendwann wird dieses Verhalten aber zur Problemlösestrategie und wird oftmals in immer gleich bleibenden Handlungsmustern ausgeführt.

6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z.B. hochgradige episodische Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern)

Die Stimmungen von Betroffenen können stark und schnell schwanken.

7. Chronische Gefühle von Leere und Langeweile

Borderline Betroffene haben oftmals ein Gefühl von innerer Leere, welche sie nicht füllen können. Dies führt dann oft in ein extremes Einsamkeitsgefühlt.

8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen)

Oftmals liegt hinter der Wut der Betroffenen ein Gefühl von Angst und Bedrohung, vor allem der Angst verlassen zu werden. Sie können diese Gefühle aber oftmals nicht artikulieren, sondern reagieren als Ventil mit Wutausbrüchen.

9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Die Borderline-Störung ist auf keinen Fall mit einer Psychose gleichzusetzen, dennoch können manchmal unter bestimmten Belastungssituationen paranoide Symptome auftreten. Darunter versteht man u.a. Gedankengänge wie: „Alle starren mich an“, „Alle haben etwas gegen mich“, welcher aber noch weit komplexere Formen annehmen können. Dissoziative Symptome hat jeder, wenn er tagträumt. Dissoziationen können bei Betroffenen aber auch wesentlich ausgeprägter sein. Näheres dazu unter unserem Button Dissoziationen.

Wie fühlt es sich an, mit dieser Störung zu leben?

Diese Störung zu beschreiben ist beinah unmöglich. Ich würde dir so gerne begreiflich beschreiben, wie es ist, mit dieser Störung zu leben. Aber ich denke, Außenstehende können es nie so richtig nachvollziehen. Ich selbst verstehe es ja kaum. Ich möchte es dennoch versuchen dir näher zu bringen.

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Borderline fühlt sich an,
wie eine Achterbahnfahrt,
aus der es keinen Ausweg gibt.

– Hope

Photo by Pixabay on Pexels.com

Grade die letzten Tage nach der Diagnose waren sehr schwer für mich. Auf der einen Seite war ich so erleichtert endlich einen Namen für mein Monster zu haben. So vieles in meinem Leben hat für mich Rückblickend einfach irgendwie Sinn ergeben. Kurzzeitig hatte ich das Gefühl mich einfach besser zu verstehen. Auf der anderen Seite war ich einfach überfordert. Verdammt überfordert und verdammt zerrissen. Ich weiß nicht wie ich mich fühlen soll, schwanke Zwischen:“Jetzt geht es endlich vorwärts! Ich bekomme Hilfe. Ich habe einen Weg vor mir.“ und „Es ist alles beschissen. Wieso ich. Das stimmt bestimmt nicht. Das kann ich nicht so akzeptieren. Ich kann einfach nicht mehr.“.

Bei mir treffen tatsächlich auch alle 9 Kriterien. Und beim Test für die Diagnose hatte ich einen so hohen Wert bei Borderline, dass er gar nicht mehr in die Tabelle gepasst hat. Also ja: Es war eindeutig Borderline. Ich bin aktuell noch nicht so bereit näher auf meine Symptome einzugehen und wie sich diese Zeigen. Ich bin selbst noch total überforder mit der fülle an Erkenntnissen und Informationen ich in den letzten Wochen zu dieser Diagnose erhalten habe.

Zusätzlich zur Borderline Diagnose kommt noch die Vermutung auf ADHS dazu, was keine unübliche Begleitdiagnose zu Borderline ist. Und zudem PTBS. Eine Posttraumatische Belastungsstörung. Diese Diganose hat mir noch mehr zu schaffen gemacht. Und ehrlich gesagt weiß das noch keiner.

….Doch, eine Freundin. Und jetzt du. Du, der das hier liest.

Ich möchte nicht darüber sprechen, wieso PTBS bei mir diagnostiziert wurde. Ich bin noch nicht bereit dafür. Es hat mich enorme Überwindung gekostet, es überhaupt bei der Therapeutin anzusprechen. Und es kostet mich überwindung, das hier aufzuschreiben.

Aber ich fühle mich so verloren und allein. So durcheinander und überfordert. Und ich liebe es zu schreiben, zu Bloggen, es hilft mir einfach. Und vielleicht hilft es ja auch dir.

Signatur der Autorin

Hope

Hey! Ich bin Hope und ich schreibe hier auf Hopes Universe über Bücher, ein bisschen Spiritualität und Gaming.

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